Gabriele Borgmann

Gabriele Borgmann

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„Viele Worte sind lange zu Fuß gegangen, ehe sie geflügelte Worte wurden“ Marie von Ebner-Eschenbach, Schriftstellerin

„Denn die einen sind im Dunkeln, und die andern sind im Licht, und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“ Was würde besser als diese Strophe von Bertolt Brecht passen, wenn es um die Beschreibung dessen geht, was Gabriele Borgmann zu ihrem Beruf gemacht hat. Die gebürtige Rheinländerin lebt und arbeitet heute in Berlin. Mit Wertschätzung begegnet sie den Autoren. Mit Sachverstand begleitet sie diese auf ihrem Weg zum fertigen Buch. Ghostwriting klingt spannend. Gabriele Borgmann gibt Einblicke in die Arbeit.

Frau Borgmann, Sie haben Ihr erstes Buch veröffentlicht. Wollten Sie auch einmal auf dem Cover stehen?

Gabriele Borgmann:

Auch wenn Brecht es anders dachte, so nehme ich den Faden Ihrer Einleitung mit einem Augenzwinkern auf: Ja, eine Ghostwriterin steht gerne mal im Licht… Wer ein Buch schreibt, der trägt lange die Idee in sich, lässt sie keimen und reifen und irgendwann spürt er, dass das Wissen reicht, der Zeitpunkt richtig und die Lust aufs Schreiben nicht mehr aufzuhalten ist. So war das bei diesem Buch.

 

Texte in der Unternehmenskommunikation haben einen hohen Wert. Mit einer passenden Schreibstimme und einem Spiel mit Perspektiven können sie unverwechselbar klingen. In „Business-Texte“ blättere ich dieses Thema auf.

 

Sie arbeiten seit zwanzig Jahren als PR-Expertin und Texterin. Wie groß war für Sie der Schritt zur Ghostwriterin?

Gabriele Borgmann:

In Unternehmen ist das Ghostwriten an der Tagesordnung. Kaum ein CEO schreibt seine Reden oder ein Pressestatement selbst. Er delegiert diese Aufgaben an seine Referenten. Ich habe im politischen Bereich für andere geschrieben. So war für mich dieser Schritt keine Ad-hoc-Entscheidung. Im Gegenteil. Viele kleine Schritte auf einer Linie aus Studium, Redaktions- und PR-Arbeit waren nötig. Ghostwriting erfordert Neugierde, Staunen und Wissen um Sprachmuster und Sprachwirkung. Bücher zu schreiben ist eine Mischung aus Methode und Leidenschaft und dieser Stoff webt sich über Jahre.

Schreiben im Namen eines Autors. Was ist für Sie der wichtigste Punkt zu Beginn solch einer Zusammenarbeit?

Gabriele Borgmann:

Die Buchidee. Die Persönlichkeit des Autors. Das erste Gespräch. Wenn dieser Dreiklang stimmt, dann stehen die Chancen für eine Zusammenarbeit gut. Ein Buch entsteht im Teamwriting. Der Autor bringt sein Wissen, seine Notizen, seine Recherche ein. Der Writer findet die Worte zu seinem Thema. Diese Zusammenarbeit dauert vier, fünf Monate und daher ist Vertrauen ein wesentlicher Punkt.

Am Ende steht das Buch. Welche Arbeitsprozesse stehen am Anfang?

Gabriele Borgmann:

Zunächst ein langes Gespräch. Ich denke, fühle, arbeite mich in das Thema ein. Danach folgt das Zuspitzen der These, das Entwickeln der Schreibstimme, des Konzeptes und Verlagskapitels. Dann gibt es einen Cut. Der Autor sucht seinen Verlag – mit oder ohne Literaturagenten. Sobald der Verlagsvertrag unterschrieben ist, steige ich in die Manuskriptphase ein, und zwar im Kapitelrhythmus, das heißt: Vor jedem Kapitel gibt es ein inhaltliches Gespräch. Es folgen Rohtext und Feinschliff. Oft verfassen Autoren das zweite Buch alleine. Dann springe ich ein, wenn Schreibblockade oder Zeitmangel drohen.

Wenn Sie sich einmal in einen Autor hineinversetzten. Nach welchen Kriterien sollte dieser einen geeigneten „Schattenkünstler“ aussuchen?

Gabriele Borgmann:

Er sollte auf persönliche Empfehlungen achten, auf Themenschwerpunkte, auf Leseproben, auf Kenntnisse in der Verlagsbranche. Er sollte einen Ghostwriterin wählen, der bereits Bücher konzipiert und verfasst hat, der weiß, was Lektoren wollen – und Leser.

 

Spannungsbogen wie Leserführung bilden sich anders ab als in Fachbeiträgen, die Arbeitsmethode ist eine andere als das Texten von Magazinen oder das Entwerfen von Reden. Wenn das Gesamtpaket stimmt, wird die Sympathie zählen.

 

Akademisches Ghostwriting – Schreiben im Non-Fiction- oder Fiction-Bereich – Texten für Internet-Projekte... Ihr Beruf hat viele Facetten. Ist gerade das der Reiz Ihrer Arbeit und kompensiert dies auch die Tatsache, dass Sie meist anonym bleiben müssen?

Gabriele Borgmann:

Akademisches Ghostwriting lehne ich ganz klar ab. Ansonsten habe ich mich in dem weiten Feld aller Textarbeiten auf Sach- und Unternehmensbücher spezialisiert.

 

Und: Ich kann mit der Abgabe eines Skriptes zurücktreten. Im Theater wäre ich die Regisseurin hinter dem Vorhang, nicht die Schauspielerin auf der Bühne.

 

Was war bisher Ihr anspruchvollstes Projekt und natürlich: Für wen würden Sie sehr gerne einmal als Ghostwriterin arbeiten?

Gabriele Borgmann:

Einen Favoriten gibt es nicht. Mich reizen die Brüche im Leben, die Überraschungsmomente, die kleinen Entscheidungen, die in der Summe ungemein viel bewirken. Ich mag Menschen mit Mut, Kraft und Eigensinn. Ich kratze mit Vorliebe an Oberflächen, will wissen, was sich unter dem Lack eines Images wirklich verbirgt. Erst die Schattierungen machen den Beruf so wunderbar.

Im Herbst 2014 erscheint ein weiteres Buch von Ihnen. Möchten Sie den Lesern darüber etwas verraten? Um was geht es in dem Buch?

Gabriele Borgmann:

Es wird ein Praxishandbuch für Autoren.

Herzlichen Dank für das Interview Frau Borgmann!

Veröffentlicht unter: Interviews, Medienmacher, Textakrobaten.
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Gabriele Borgmann – Von der Arbeit einer Ghostwriterin:

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