Renate Blaes

Renate Blaes

Der kleine Verlag
Inhaberin


Wenn du willst, dass Menschen sich verstehen, lass sie gemeinsam etwas schaffen. Antoine de St. Exupéry

Ihr Verlag ist jung. Aber mit ihrer Erfahrung von rund 25 Jahren in der Verlags- und Buchbranche, macht Renate Blaes so schnell niemand etwas vor. Was der Autorin und Verlegerin aber richtig gegen den Strich geht, sind skrupellose Zuschussverlage, die es immer wieder schaffen, arglosen Autoren das Geld aus der Tasche zu ziehen. So war denn auch das Thema für dieses Interview schnell gefunden.

Frau Blaes, Sie haben vor erst drei Jahren Ihren eigenen Verlag gegründet. Wie kam es dazu und war vielleicht auch einer der Gründe, das zweifelhafte Geschäftsgebaren einiger Zuschuss- bzw. Bezahlverlage?

Renate Blaes:

Die Hauptgründe waren meine langjährige Erfahrung als Autorin im Umgang mit Literaturagenten und Verlagen. Dazu kamen meine umfangreichen Kenntnisse in Design, Text und Lektorat. Mit dieser Kombination kann ich Autoren eine seriöse und kompetente Dienstleistung anbieten, und zwar alles aus einer Hand. Bei Edition Blaes „kocht die Chefin persönlich“ sozusagen. Nur koche ich nicht, sondern produziere Bücher.

 

Ein anderer Grund war in der Tat das zweifelhafte Geschäftsgebaren gewisser Zeitgenossen in der Literaturbranche. Ich durfte als Autorin so manche aufschlussreiche Bekanntschaft machen. Erfreulicherweise waren auch viele seriöse Geschäftspartner dabei, ich kann die schwarzen von den weißen Schafen also schnell unterscheiden.

 

Nicht zuletzt in Ihrem eigenen Blog werden Sie nicht müde, Autoren immer wieder auf Missstände bei Zuschussverlagen hinzuweisen. Was läuft da Ihrer Meinung nach schief?

Renate Blaes:

Schief läuft da, dass viele Autoren sich das Vertragsangebot nicht genau anschauen oder nicht rechnen können – oder beides. Denn sie werden schließlich nicht gezwungen, einen unwirtschaftlichen Vertrag zu unterschreiben. Dass solche Verträge überhaupt angeboten werden, steht auf einem anderen Blatt. Ich halte das für unmoralisch, aber das ist auch eine Sache von Angebot und Nachfrage. Wer so einen Vertrag unterzeichnet, ist selbst schuld. Anschauliche Rechenbeispiele sind übrigens auch auf meinem Blog zu finden.

 

Trotz mannigfaltiger Informationen im Internet in Bezug auf unseriöse Zuschussverlage und betrügerische Literaturagenten gibt es sehr viele Autoren, die sich tausende von Euros aus der Tasche leiern lassen und ich mich frage, ob sie keinen Taschenrechner haben. Denn wenn ein Autor die Entstehungskosten seines Buches selbst trägt, sollte er zumindest eine Chance haben, dass sich das Geld auch amortisiert. Steht aber von Anfang an fest, dass er viel Geld für Lektorat, Buchdesign und Druck bezahlt und sein von ihm finanziertes Buch zusätzlich kaufen muss, dann verdient nur einer – und das ist definitiv nicht der Autor!

 

Wie kann ich als Autor die Spreu vom Weizen trennen? Woran erkenne ich ein seriöses Verlagsangebot?

Renate Blaes:

Die Spreu vom Weizen trennen zum einen der Vertragsinhalt und zum anderen der Taschenrechner. Wenn ich zum Beispiel 8.000 Euro oder mehr bezahlen soll und nicht erfahre, wie dieser Betrag errechnet wurde und welche Leistung ich konkret dafür bekomme, dann ist das kein seriöses Angebot. Und wenn ich in wenigen Minuten ausrechnen kann, dass ich selbst bei voll verkaufter Auflage von – zum Beispiel – 1.000 Büchern von meiner Investition keinen Cent zurück erhalte, erst recht nicht.

Zumindest die meisten Menschen sind vernunftbegabte Wesen. So könnte man annehmen, dass unseriöse Verlage kaum Opfer finden werden. Warum sieht das in der Praxis oft ganz anders aus Frau Blaes?

Renate Blaes:

Meiner Meinung nach spielen zwei Aspekte eine wesentliche Rolle: Selbstüberschätzung und Eitelkeit. Viele Autoren halten sich für einen zweiten Hemingway – was die meisten nicht sind. Einem normalen Zuschussverlag ist die Qualität eines Manuskriptes aber völlig gleichgültig, denn er verdient ja nicht am Verkauf von Büchern, sondern in erster Linie am Verkauf seiner Dienstleistung. Deshalb lobt er jedes Manuskript, unabhängig von seiner Qualität. Um das zu belegen, hat ein Autorenteam vor einiger Zeit Textpassagen aus unterschiedlichen Büchern kopiert, ein Manuskript daraus gezaubert und es an verschiedene Zuschussverlage geschickt. Die waren durch die Bank weg begeistert von der Qualität dieses literarischen Wunderwerks. Also sollte jeder Autor vorsichtig sein, wenn sein Manuskript von einem Zuschussverlag über den grünen Klee gelobt und ein sehr guter Verkauf prognostiziert wird …

 

Sollte sich ein Buch eines Zuschussverlags tatsächlich gut verkaufen, profitiert der Verlag übrigens doppelt. Erst mit dem Verkauf seiner Dienstleistung und dann noch mal– mit dem Verkauf des Buches. Und je nach Vertrag schaut der Autor in die Röhre, denn es gibt Varianten, bei denen erst ab dem 1.001 verkauften Buch ein Obolus bezahlt wird. Bis dahin hat er aber schon viel Geld investiert, und 1.000 Bücher von Otto Normalautor wandern erfahrungsgemäß nicht so schnell über den Ladentisch.

 

Sie sprechen in Ihren Artikeln und Kommentaren eine direkte und unverblümte Sprache. Damit haben Sie sich sicherlich nicht nur Freunde gemacht?

Renate Blaes:

Da haben Sie Recht! Aber das ist mir egal, denn ich suche über mein Blog ja keine Freunde, sondern Autoren, die Bedarf an kompetenter Dienstleistung haben. Deshalb zeige ich, worauf ein Autor achten muss. Ich lege einerseits Fakten auf den Tisch lege und arbeite andererseits professionell und engagiert. Wie man an den Referenzen sehen kann, wird das von meinen Autoren geschätzt.

Schildern Sie doch bitte einmal anhand eines Beispiels ihre eigene Arbeitsweise, Frau Blaes. Was darf ich bei Ihnen als Buchautor erwarten, wie gehen Sie vor und wie kalkulieren Sie Ihre Leistung?

Renate Blaes:

Bei mir bekommen Sie als Autor ein aussagekräftiges Angebot – mit klar definierten, nachvollziehbaren und moderaten Honoraren.

 

Ich verlange keinen Vorschuss, sondern rechne erst nach Fertigstellung meiner Arbeitsschritte ab.

 

Außerdem erhalten Sie ein anschauliches Beispiel meiner Art zu lektorieren. Ich erstelle dieses Probelektorat aus einigen Seiten Ihres Manuskriptes mit der Funktion „Änderungen nachverfolgen“, damit Sie genau sehen, wo, was und wie ich lektoriere. Erst dann entscheiden Sie, ob Sie mit mir zusammenarbeiten wollen.

 

Selbstverständlich drücke ich Ihnen weder das Design für Umschlag noch Buchinhalt aufs Auge. Ich mache Vorschläge, was Typografie und Design betrifft, und Sie wählen aus.

 

Wichtig für Sie als Autor ist auch, dass Sie mehrere Druckangebote bekommen, und ich empfehle dann, welches Angebot Sie annehmen sollten. Natürlich begründe ich das auch, denn die billigste Druckerei muss nicht unbedingt die beste sein. Allerdings können Sie Ihre Druckerei auch völlig frei wählen – also ohne Einfluss meinerseits. Für Sie als Druckfachmann zum Beispiel wäre das vermutlich der probate Weg – bei den vielen Kontakten, die Sie haben.

 

Sehr wichtig ist für Sie als Autor außerdem, dass die von Ihnen bezahlte Auflage auch zu 100 % Ihnen gehört (außer 4 Belegen für die Verlegerin). Bei den üblichen Zuschussverlagen ist das völlig anders. Dort müssen Sie (von Ihnen ja bereits finanzierte) Bücher kaufen, und das zu teilweise abstrusen Konditionen. Sie werden also zweimal zur Kasse gebeten!

 

Haben Sie eine Idee, wie man Autoren wirksam vor exorbitant hohen Honorarforderungen einschlägiger Zuschussverlage in Zukunft schützen könnte? Was hilft?

Renate Blaes:

Da helfen der normale Menschenverstand, eine gesunde Portion Misstrauen, ein gerüttelt Maß an Vorsicht (u. a. nach dem Verlagsnamen googeln), der Gebrauch eines Taschenrechners und nicht zuletzt: Fragen stellen. Denn ein seriöser (Zuschuss)Verlag hat nichts zu verbergen und redet nicht um den heißen Brei herum, sondern legt die Zahlen offen und erklärt anschaulich, was der Autor für sein Geld bekommt. Dass einer der „üblichen Verdächtigen“ ein Probelektorat anbietet, wäre mir übrigens neu …

 

 

Zum Schluss: Ich nehme übrigens nicht jedes Manuskript! Eine Mindestqualität muss sein, denn ein schlechtes Manuskript lässt sich nicht lektorieren. Daran kann man nur rumstöpseln, und das bringt nichts.

 

Vielen Dank für Ihre offenen Worte Frau Blaes!

Veröffentlicht unter: Allgemein, Interviews, Medienmacher, Printprofis, Textakrobaten.
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