Bernd Zipper

Bernd Zipper

zipcon consulting GmbH
Geschäftsführer


Ausnahmen sind nicht immer Bestätigung der alten Regel. Sie können aber auch Vorboten einer neuen Regel sein. Marie von Ebner-Eschenbach

Die Drupa 2012 ist vorbei. Zeit Bilanz zu ziehen. Und die fällt nicht unbedingt nur gut aus. Rückläufige Besucherzahlen und rückläufige Ausstellerzahlen. Damit nicht genug: Wohl die Hälfte der Aussteller wird die Messe nicht kostendeckend über die Bühne gebracht haben. Was sagt Bernd Zipper zu dieser Entwicklung. Der Mann mit dem „richtigen Riecher“ für Trends im Markt bringt mal wieder die Dinge auf den Punkt.

Für alle, die Sie noch nicht kennen. Wer sind Sie und womit beschäftigt sich Ihr Unternehmen?

Bernd Zipper:

zipcon consulting ist ein unabhängiges Beratungsunternehmen für die Medienindstrie mit dem Fokus auf Technologie- und Strategieberatung.

Gemeinsam mit meinen Partnern beraten wir Unternehmen „ganzheitlich“. D.h. von der Erstanalyse bis hin zur Umsetzung stehen wir dem Unternehmer zur Seite. Themen sind u.a. E-Business Print, MIS/JDF, Web-to-Print, Workflow und Automatisierung – aber auch Entwicklung von Unternehmensstrategien und Umsetzungsszenarien.

Ich selbst bin seit über 20 Jahren in der Branche und seit fünf Jahren Lehrbeauftragter der bergischen Universität Wuppertal für den Bereich „E-Business Print“, sprich für den Bereich Online-Shop und Co.

Idealerweise spiegelt eine Messe die aktuellen Marktverhältnisse. Konnten Sie das auf der diesjährigen Drupa so auch erkennen?

Bernd Zipper:

Ja. Leider. In den letzten Jahren, insbesondere in den letzten vier Jahren, haben sich einige Unternehmen extrem „verdichtet“ – sprich, durch ständige Zu- und Verkäufe konzentriert sich die Anbieter-Branche zunehmend auf ein paar Keyplayer.

Diese Keyplayer, wie Heidelberg, MAN oder Esko Graphics und andere, haben früher wahre Materialschlachten veranstaltet. Diese Zeiten sind vorbei. Auch die Innovationen sucht man bei den großen Anbietern – leider – meist vergebens. Es ist schon dramatisch, wenn über 80 kleine Anbieter auf der drupa mit Web-to-Print und Online-Printservices via Cloud auftrumpfen, die großen Anbieter in diesem Bereich aber – wenn überhaupt – nur rudimentäre Ansätze haben.

Meine Erkenntnis der drupa 2012 ist daher: Die Heavy-Metal-Zeiten sind vorbei, es wird in Zukunft mehr und mehr in Richtung flexible – auf den Anwender zugeschnittene – Lösungen gehen.

Nicht zuletzt Sie selbst sprechen davon, dass in der Druckindustrie endlich zusammenwachsen muss, was auch zusammengehört. Könnten Sie das an einem Beispiel deutlich machen?

Bernd Zipper:

Klar. Was mich wahnsinnig macht, ist, dass viele Drucker das Internet als Wettbewerber sehen. Sicherlich verkauft jemand der online ist ggf. mehr oder besser als ein Drucker, der nicht online unterwegs ist – aber das liegt ja nicht am Internet, sondern an dem Drucker, der nicht verstanden hat, dass das Internet sein Verkaufskanal der Zukunft sein kann.

D.h., Online-Print ist nicht schlecht, sondern nur ein weiterer Absatzkanal für Print und das verstehen so langsam einige Druckanbieter, jetzt wo es fast schon zu spät ist.

Was man aber auf der drupa hat sehen können war, das nun zahlreiche kleinere Lösungen Print und Online verbinden. Ob dies nun QR-Codes, AR-Anwendungen oder NFC-Chips sind – mehr und mehr verbinden sich Print und Internet zu einem Kommunikationskreislauf.

Die drupa gilt als teuerste Fachmesse der Welt. Ist das einer der Gründe für schwindende Aussteller- und Besucherzahlen?

Bernd Zipper:

Sorry. „Teuerste Fachmesse der Welt“? Pardon, da habe ich in USA für einen Hotdog schon mehr bezahlt … Aber in der Tat, wenn eine Messe 14 Tage dauert, dann muss mein Standpersonal untergebracht und verpflegt werden, es muss ein schicker Standbau her usw. – schauen Sie sich doch mal andere Druckmessen an.

Nur weil diese mit kleinen Ständen und kurzer Laufdauer „günstiger“ sind, sind das ja nicht gleich „billige“ Messen. Der qm-Preis an Ausstellerfläche ist in Düsseldorf durchaus angemessen, wenn man die Laufzeit bedenkt – und wenn man sich die Zahl und die Qualität der Besucher anschaut, ist dies die einzige Messe, die wirklich als globale Druckmesse gelten darf und auch wirklich globale Kontakte ermöglicht.

Also von daher: Nicht die drupa ist zu teuer – sondern die Nebenkosten, die man in Kauf nehmen muss, wenn man die entsprechenden Leads generieren möchte.

Das Thema „schwindende“ Aussteller- und Besucherzahlen ist auch unter dem Gesichtspunkt „Marktverdichtung“ zu sehen. Ich habe mir mal den Spaß gemacht, nach einem Treffen mit einem Messemanager, die von mir prognostizierte Zahl der Besucher der drupa 2012 vorab auf einen Zettel zu schreiben – und lag mit 320.000 Besuchern nicht so falsch.

Der Grund für meine Annahme war auch klar: Weniger Menschen in der Branche, weniger Menschen auf der Messe – weniger Unternehmen, die sich Messen als Marketingplattform leiten, können oder wollen – weniger Aussteller. Daher ist der Rückgang der Zahlen durchaus nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist aber für mich, dass ein Hotdog 4,00 Euro kostet. Unverschämtheit.

Eine Frage an den Strategieberater Bernd Zipper: Hat das aktuelle Drupa-Konzept noch Zukunft? Was muss man anders machen?

Bernd Zipper:

Gute Frage – ich glaube daran, dass dies die letzte „große“ drupa war. Nicht weil die Düsseldorfer etwas falsch gemacht haben – im Gegenteil. Noch nie war eine Messegesellschaft so innovativ und agil in der Werbung zu einem solchen Megaevent.

Man denke nur an die Augment Reality-Kampagne und das Online-Angebot der drupa. Aber in unserer Gesellschaft verdichten sich die Aufgaben, die ein Manager übernehmen, muss zunehmend. So ist der Marketing-Manager eines Unternehmens nun nicht nur für Print zuständig, sondern auch für Online und Mobile. Ganz klar, dass da Print eine andere Rolle spielen wird – auch klar, dass der Manager weniger Zeit hat, auf Messen zu gehen.

Genauso geht es dem Drucker … wenn er nicht schon von seinem präferierten Druckmaschinenlieferanten vorab um die Welt geflogen wurde, dann hat er allenfalls noch 1-2 Tage Zeit auf die drupa zu gehen. Ich persönlich halte diesen Trend für nicht richtig – denn das persönliche Treffen lässt sich für ein gepflegtes Geschäft meines Erachtens nicht ersetzten, aber die Generationen ändern sich.

Das muss auch die drupa lernen. Für 2016 muss sich die drupa neu erfinden – um den Printer und Printbuyer der Zukunft für die Mega-Messe drupa zu begeistern. Es ist dann mit ein paar Führungen oder Vorträgen nicht mehr getan – es muss mit den Ausstellern gemeinsam interaktiver geworben werden, es muss ein neues Konzept her – dass gerade den jüngeren Entscheidern einen Grund gibt die drupa zu besuchen.

Wo waren in diesem Jahr die Kunden der Drucker? Hat man vergessen, diese einzuladen?

Bernd Zipper:

Ich denke im Internet. Warum sollte ein junger Einkäufer eines Chemiekonzerns auf die drupa gehen? Früher hat er dort die Innovationen gesehen – heute bekommt er die Innovationen frei Haus. Gut mit einer Menge Murks dabei – aber immerhin, kostenlos und zu der Zeit, an der er sich die Zeit nehmen kann zu recherchieren.

Es ist auch ein Irrglaube, wenn man denkt, die drupa hat irgendeine Leucht- oder Anziehungskraft auf den Kunden des Druckers – warum sollte der kommen? Wegen dem Cube? Wegen irgendeiner Sonderschau oder einer warmen Mahlzeit bei einem Druckmaschinenhersteller? Wohl kaum.

Daher trifft Ihre Frage des Pudels Kern: Hat man vergessen, diese einzuladen? Genau das ist der Punkt. Es reicht nicht, wenn man Fachmagazine oder klassische Marketingmedien in die Messewerbung einspannt – es müssen die Medien eingespannt werden die der Marketeer oder Printbuyer auch wirklich konsumiert – und das ist leider international nicht gelungen.

Was hat Ihnen als Marktbeobachter in Düsseldorf besonders gut gefallen Herr Zipper?

Bernd Zipper:

Eine Menge. Erst mal – im Vergleich zu den vergangenen Jahren – die neue „Bescheidenheit“. Es wird nicht mehr so dick aufgetragen und trotzdem ordentlich Geschäft gemacht. Klar, die Landa-Show war für mich als Entertainment-Konsument ein Highlight, aber noch mehr als die neuen Produkte der vielen Anbieter hat mich gefreut, dass Offset- und Digitaldruck sich nun eher ergänzen.

Es wird nichts mehr „verteufelt“, nicht mehr per se infrage gestellt – sondern Fakten und Bedürfnisse des Abnehmers zählen. Gleiches gilt für die Online-Welt – während dies für die drupa-Veranstalter selbst eher eine untergeordnete Rolle spielte, haben die Besucher ganz genau verstanden welches Werkzeug mit welcher Maschine und welcher Software online kooperiert.

E-Business Print, also das Geschäft mit Print über Onlineshops und Onlinevertriebsplattformen wurde durch diese drupa definitiv mit angeschoben und weiter ausgeprägt.

Wo finden wir Sie noch im Internet?

Bernd Zipper:

Sicherlich auf meiner Website www.zipcon.de und auf www.beyond-print.de, dessen Herausgeber ich bin. Im Juni startet dort mein Blog oder – wie Christian Cub, der Chef von beyond-print immer sagt: „Zippers Meckerecke.“ Aber auch auf Youtube, Xing und – privat – auf Facebook bin ich unterwegs.

Vielen Dank für das Interview Herr Zipper!

Veröffentlicht unter: Interviews, Marketingstrategen, Printprofis.

Die Drupa ist aus. Es lebe die Drupa?:

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